Das Schweizerische Nationalmuseum und der Zivilschutz üben den Ernstfall

Eine Naturkatastrophe macht auch vor Museen nicht halt. Was aber geschieht mit den wertvollen Objekten? Eine ganztägige Verbundübung des Schweizerischen Nationalmuseums mit den beiden Zürcher-Zivilschutzorganisationen Albis und Limmattal Süd sowie der Aargauer-ZSO Oberfreiamt im Sammlungszentrum Affoltern am Albis hat gezeigt: Die Bergung von Kulturgüter hat seine Tücken.

Affoltern am Albis (ZH) steht unter Wasser. Eine Überschwemmung hat den Ort im Knonauer Amt überrascht. Polizei, Feuerwehr und Zivilschutz stehen im Dauereinsatz. Betroffen ist auch das Sammlungszentrum des Schweizerischen Nationalmuseums. Nachdem die Feuerwehr das Gebäude gesichert und die Wasserleitung geschlossen hat, geht es nun darum, möglichst viele der wertvollen historischen Objekte zu retten.

Die Zeit drängt, je länger die wertvollen Stücke im Wasser oder in einer feuchten Umgebung liegen, desto grösser ist der Schaden. Doch die Bergung ist nicht einfach und benötigt Profis, die sich fachmännisch darum kümmern. Gemeinsam mit Mitarbeitern des Sammlungszentrums (SZ) organisieren speziell ausgebildete Zivilschützer der Regionen Albis, Limmattalsüd und Oberfreiamt den Einsatz. Die rund zehn Männer gehören alle dem Kulturgüterschutz (KGS) an. Sie haben neben einer Grundausbildung zum Zivilschützer auch einen speziellen Kurs zur Bergung von Kulturgütern absolviert. In der Schweiz gibt es rund 3000 KGS-Spezialisten.

Trocken, feucht, nass

Nachdem die Infrastruktur aufgestellt und die Gruppen eingeteilt wurden, beginnt die Bergung. Dabei wird zwischen trockenen, feuchten und nassen Objekten unterschieden. Nasse Bücher werden beispielsweise gefriergetrocknet, um den Zerfall zu stoppen. Zu einem späteren Zeitpunkt können sie in mehreren Arbeitsschritten ganz oder teilweise wieder hergestellt werden. Ob trocken, feucht oder nass, jedes Objekt muss mit möglichst vielen Informationen versehen werden. Was ist es? Wo wurde es gefunden? Wie war der Zustand? Je mehr Infos gesammelt werden, desto einfacher werden die nachfolgenden Arbeiten. Gerade für die Verhandlung mit den Versicherungen sind Informationen enorm wichtig.

Viele Infos oder schnelle Bergung?

Schnelle Bergung und präzise Informationsbeschaffung widersprechen sich allerdings, denn das Sammeln von Infos braucht Zeit. So kommt es denn auch zu Diskussionen, denn nicht alle Einsatzmitglieder haben die gleiche Priorität. Schliesslich kann sich das Team – inzwischen sind die Zivilschützer und die SZ-Mitarbeiter zu seiner einzigen Gruppe zusammengewachsen – auf eine schnelle Bergung einigen und die Arbeiten zügig fortsetzen. Einige Stunden später sind fast alle Objekte geborgen. Nach dem Abtransport in verschiedene Lager wird in den folgenden Tagen die Begutachtung der Schäden und später die Restaurierung der Objekte beginnen.

Zum Glück war alles nur gespielt, das Wasser in einer Mulde von Menschenhand hineingepumpt und die wertvollen historischen Objekte Sperrmüll und Abfall. Die Aktion hat jedoch gezeigt, dass die Bergung von Kulturgütern schwierig ist, dass Museen eng mit dem Kulturgüterschutz zusammenarbeiten müssen und dass solche Katastrophenübungen regelmässig durchgeführt werden müssen. Nur wer für dieses Thema sensibilisiert ist, verhält sich im Ernstfall richtig. Sensibilisiert wird man jedoch nicht am Schreibtisch, sondern in der wassergefüllten Mulde.

Andrej Abplanalp, SNM