Auf der alten Jumpin-Sprungschanze übt der Zivilschutz als letzter

Es ist kurz nach 8 Uhr morgens in Mettmenstetten. Der Lärm der Kettensägen dringt in die idyllische, aber regendurchtränkte Natur. Robert Reber, Dienstführer Unterstützung der ZSO Albis, steht auf dem Hügel des „Jumpins“. Er blickt den Hang hinunter und sagt: „Was unsere Jungs hier leisten, verdient höchste Anerkennung. Bei diesen garstigen Bedingungen umso mehr.“

Worum geht es? Während vier Tagen sorgen die Zivilschützer für den Rückbau der Skisprungschanzen im „Jumpin“ Mettmenstetten. Die 1995 gebaute Schanze spürte den Zahn der Zeit immer mehr. Vorab das Holz ist so morsch geworden, dass eine Renovation unumgänglich wurde. Andreas Isoz, Leiter des „Jumpins“ und als Skiakrobat Olympiateilnehmer und einst WM-Fünfter, sagt: „Dem Zivilschutz gebührt ein riesiger Dank! Ohne seine Hilfe wäre dieser Umbau nicht möglich.“

Wichtig: Durch diesen viertägigen Einsatz mit jeweils zwischen 20 und 32 Mann im Einsatz leistet der Zivilschutz einen schönen Beitrag für die Region – und nimmt nicht etwa dem lokalen Gewerbe einen Auftrag weg. Der Einsatz ist zudem eine nötige und willkommene Gelegenheit, mit eigenen Geräten wie der Motorsäge Arbeiten und unter den gängigen Sicherheitsvorkehrungen zu trainieren. Davon profitiert der Zivilschutz im Fall eines jeden Notfall-Einsatzes.

15 Meter über Wasser katapultiert 

Der Anlauf der grössten Schanze beträgt gut 30 Meter. Um den neusten Entwicklungen des Sports zu gehorchen, wurde sie über die Jahre sukzessive vergrössert. Darum befindet sich der Start nicht einfach zuoberst am Hügel, sondern 4 Meter überhängend. Springt man über diese grösste Schanze, wird der Ski-Akrobat während eines Sprunges bis zu 15 Meter über Wasser katapultiert.

Vergleichbare Wasserschanzen wie das „Jumpin“ in Mettmenstetten gibt es weltweit nur drei – in Salt Lake City, Quebec City und irgendwo in China. Das „Jumpin“ ist das offizielle Sommer-Trainingszentrum für die Schweizer Ski-Akrobatik-Nationalmannschaft. Darum ist es das Ziel, dass die neue Schanze bis spätestens am 1. Mai 2015 steht. Ein Profi, der zwischen Mai und September im „Jumpin“ trainiert, absolviert bis zu 1000 Sprünge. 

Fünf Schanzen demontieren die Zivilschützer. Treppchen für Treppchen wird zersägt. Schraube für Schraube entfernt. Vieles ist Handarbeit. Bis das Holz in den Mulden liegt, muss es dreimal aufgegriffen werden. Am Ende sind es 6 Mulden mit etwas mehr als 40 Tonnen Material, die abtransportiert werden. 

Zu Beginn der Woche wurden die schwierigsten Arbeiten erledigt – auch weil das Wetter da noch mitspielte. Schritt für Schritt werden die Sprungmatten demontiert. Die grössten Probleme bereiten den Zivilschützern die Kettensägen, sagt Robert Reber. „Wegen den Nägeln im Holz und den verschiedenen Folien werden die Sägen sehr schnell stumpf. Wir mussten etliche Male die Ketten schleifen.“

Als kleines Dankeschön an den Zivilschutz für die Hilfe beim Umbau lädt das „Jumpin“ sämtliche beteiligte Zivilschützer im Frühling zu einem Plauschevent auf der neuen Anlage ein. Ob Slacklinepark, Plauschrutschen über die Schanzen – oder sogar einige Versuche mit Skis, die Zivilschützer erwartet ein interessanter Tag.

Es ist Nachmittag geworden. Kurz nach 15 Uhr sind die letzten Holzstücke in den Mulden entsorgt. Die Kleider sind nass und dreckig – ein eindeutiges Zeichen für generöse und leidenschaftliche Arbeit. Derweil sieht der braune Hügel ziemlich nackt aus. Er ist bereit für die neue Schanze. Und Robert Reber zieht stolz sein Fazit: „Die Witterung hat ziemlich viele unserer Pläne über den Haufen geworfen. Aber wir konnten darauf reagieren und haben unser Ziel erfolgreich erreicht. Die Tage waren ein voller Erfolg.“