20.04.10

Ein gelungener Einsatz im Haus zum Seewadel

Im Rahmen einer Pilotwoche halfen Angehörige der ZSO Albis im Alters- und Pflegeheim Haus zum Seewadel in Affoltern a/A. Geschäftsleiter Martin Summerauer zeigte sich begeistert von der Zusammenarbeit.

Herr Summerauer, wie kam diese Kooperation zwischen Zivilschutz und dem Haus zum Seewadel zustande?

Der Zivilschutz hatte an Weihnachten 2007 einen Notfalleinsatz im Seewadel aufgrund des Norovirus. Die Hälfte der Bewohner und die Hälfte der Mitarbeiter waren erkrankt, das Haus war auf Unterstützung von aussen angewiesen. Da fand der erste Kontakt statt. Im letzten Jahr traf man sich im Rahmen der Pandemievorsorge im Amt zu einem Gespräch wieder, da wurde die Idee für diesen WK geboren. Diese Woche war nun ein Pilotversuch. Das Ziel war, dass wir uns gegenseitig kennenlernen. Die Zivilschützer sollten Erfahrungen machen mit dem Haus, den Pensionären und den Mitarbeitenden. Damit sie wissen, wie hier alles funktioniert für einen allfälligen weiteren Einsatz bei einem Notfall.

 

Was ziehen Sie für ein Fazit?

Für uns war es anfangs auch ein Ausprobieren. Die Zusammenarbeit durfte kein Störfaktor sein, sondern es musste eine Win-Win-Situation entstehen. Die war da, deutlich. Die Zivilschützer machten einen sinnvollen Wiederholungskurs. Sie zeigten sich äusserst motiviert. Sie setzten sich ein, brachten Phantasie in den Heimalltag. Und die Bewohner hatten sichtlich Spass und Abwechslung in dieser Woche. Für die Zivilschützer boten wir zwei kleine Weiterbildungen an zu den Themen Norovirus und Demenz.

 

Was denken die Bewohner über die Zivilschützer?

Es wird ihnen nächste Woche langweilig, wenn sie nicht mehr da sind (lacht). Hier arbeiten und wohnen sehr viele Frauen und nun kam eine Gruppe von jungen Männern. Das ist eine Abwechslung. Zudem ist unsere Zeit sehr beschränkt, was Spaziergänge und sonstige spontane Aktivitäten betrifft. Mit zusätzlicher Hilfe sind diese möglich. Sogar ein Konzert haben die Zivilschützer aus eigener Initiative auf die Beine aufgestellt. Das war eine Riesenattraktion.

 

In welche Bereiche durften die Zivilschützer einsehen?

In die Pflege. In die Aktivierung, sprich dem Freizeitprogramm: Basteln, Singen, Diskussionsrunden, Spaziergänge. Sie halfen im Speisesaal und arbeiteten mit unserem Hausdienst, in dem es um Reinigung und Hygiene geht. Das ist äusserst wichtig, da es bei einem Notfalleinsatz vor allem um die Desinfizierung im Haus gehen würde. Jeder der fünf Zivilschützer hatte eine Ansprechperson in seinem Bereich, er war nie alleine.

 

Wie empfand das Personal die Zusammenarbeit?

Sie berichteten mir, dass die Teilnehmer sich äusserst anständig und korrekt verhalten und Interesse an unserer Arbeit gezeigt haben. Das ist auch ein Kompliment an die ZSO Albis, welche die richtigen Leute ausgewählt hat.

 

Was erwarten Sie von einer Hilfskraft?

Sie muss vor allem Freude am Kontakt mit betagten Menschen haben und darf keine Berührungsängste zeigen. Zudem muss sie den Respekt wahren, sensibel sein. Die Zivilschützer kamen in sehr private Bereiche. Jeder musste deshalb am Anfang der Woche ein Papier unterzeichnen, in dem er sich verpflichtete nichts, was die Bewohnerschaft oder Betriebliches betrifft, nach Aussen zu tragen. Es ist alles unkompliziert von statten gegangen.

 

Hätten Sie dies erwartet?

Schon als ich im Vorfeld mit den Leitern des Zivilschutzes redete, hatte ich ein gutes Gefühl. Sie wollen sich öffnen, sind gewillt, Einsätze zu leisten. Und dann hatten sie Referenzen aus anderen sozialen Institutionen. Dass es gerade so einen Erfolg wird, hätte ich aber nicht gedacht. Ich glaube, das verstaubte Image vom Zivilschutz ist definitiv überholt. Er hat gezeigt, dass er nicht nur Leerlauf produziert und Wartezeit überbrückt, sondern einen sinnvollen Einsatz leistet. Ein herzliches Dankschön an alle Beteiligten!

 

Wie stellen Sie sich die Zukunft mit den Zivilschützern vor?

Die können gleich hier bleiben (lacht). Spass beiseite: Der Zivilschutz hat die Kapazitäten und zeigt Interesse; von Seiten Seewadel steigen wir herzlich gerne in weitere Kooperationen ein. Wir haben nun zwei Wiederholungskurse mit der Betreuungsgruppe für das nächste Jahr vereinbart und wir planen zusätzlich mit der Sanitätsgruppe einen grösseren Ausflug mit unseren Pensionären. 

 

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Martin Summerauer (48) ist seit Januar 2009 als Geschäftsleiter im Haus zum Seewadel tätig. Für ihn sind neben der innerbetrieblichen Entwicklung auch Kooperationen mit Externen ein wichtiges Element. Es geht um die Vernetzung mit Gemeinde, Nachbarschaft, Spital, Zivilschutz oder Spitex sowie um die Aufnahme von freiwilligen Mitarbeitenden, Sozialeinsatzleistenden, etc.

Nach den bewegten Jahren um das Haus zum Seewadel soll eine Konstanz im Betrieb erhalten werden. Mit professioneller Leistungserbringung und positiver Energie soll den Bewohnern ein zu Hause, den Angehörigen ein bestmöglicher Einbezug in die Pflegeplanung und für Mitarbeitende ein attraktiver Arbeitsplatz geboten werden. Im letzten Jahr sind unter der neuen Leitung neue Schritte getan worden:

·      Ein notweniger Personalausbau und weitere Professionalisierung im Pflegeteam. Es wurde inzwischen die von der Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich als Vorgabe gesetzte Quote von 50% diplomiertem Pflegepersonal erreicht.

·      Der Ausbau der Ausbildungsplätze und Festigung des Ende 2008 eingeführten Bezugspersonensystems in der Pflege. Die Planung eines Ausbildungsverbundes mit der Spitex.

·      Die Inhaltliche und praktische Ausrichtung der Führung an Leitsätzen (Lernende Organisation, Kundenorientierung, etc.) und die Einführung der Mitarbeiterkonferenzen, der „Runde Tisch“ mit Bewohnern.

·      Die Vorbereitungsarbeiten für die Sanierung des Hauses. Es wurde ein neues Wohngruppen- und Betriebskonzept sowie ein Raumprogramm erstellt, das flexibel auch künftigen Bedürfnissen der Bewohnerschaft entsprechen soll. Das Konzept wurde vom Gemeinderat gutgeheissen und verabschiedet.

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